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Full text of "Der stimmkasten"

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ROBERT PARKER GLAPP 
tum mm 



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HARVARP COUEGE UBRARY 4 
CLAPP FUND ^ 

INTERNATIONALE 




BLBLICXTHE 

Erscheint jeden Monat, x6 Seiten stark. 
Adresse: JOHN MÜLLER, 167 William Street, Hew York. 

Bstercd at die New York Post-OfRce as Rwond CHt^ Mail Matter. 



No. 13. Jimi 1888. . { 



Der Stimmkasten. 



WiUtrhn Lirhl'nedit hat im Jahre 1869 über dieses Thema zu 
Berlin eme Kede gehalten, welche verdient, der Vergessenheit ent- 
rissen zu werden. Vor uds liegt eine Broschüre aus dem Jahre 
1@74| welche eine Beproduktion dieses Vortrages enthält und 
VQiin liebkneoht sagt^ dass ein tunQährjges Nac|idenken ihn nicht 
reranlassen konnte, seine Ansichten über diesen O^enstand zu 
ändern. Er bemerkt in dieser Beziehung: 

"Zu widerrufen habe ich nichts, ebensowenig rtwns zu milflom. 
Am wenigsten an meiner Kritik des Bismarck'scheu Parlameutaris- 
mus, der sich im '«Deutschen Reichstag" nicht minder glorreich 
bethätigt; als weiland im "Norddeutschen Keichstag^'. 

'HVohlaber hätte ich die Verurtheiluug dieses spezifischen Aus- 
wuchses auf den JParlame»tari8mu8 iiberhm^t ausdehnen selten, 
der, wenn auch nirgends — selbst nicht im Bas-Emi)ire des Bona- 
parte — zu einer so traurigen Rolle berufen, wie im Preussischen 
Deutschland, dnrh in aUm Staaten, wo er grassirt, zur Täuschung 
und Knechtung dm Volkes dient, — ein mit dem Schaumgold der 
Phrase beklebter Theater m au tel, hinter dem der Absolutismua und 
die Khussenbemcbaft ihre hSssUdien Glieder und ihre Hordwaffen 
verstecken.'' 

Nadi dieser ansdrOdiclichen Betonung LiehkneohtSy dass seine 

Ausführungen nicht etwa übereilt oder unüberlegt gemacht wurden, 

sondern das Resultat reiflicher Erwägungen waren, zitiren wir im 
Folgeudeu alles Hauptsächliche. Liebknecht hat das Wortl Er 
sagt: 

"Ob wählen oder nicht wählen, ist bei allgemeinem äUmm- 
reeht nur eine Frage der Nützlichkeit, nicht ebie Frinziplenfhtge. 
Wir haben ein Becht zu wählen — der Umstand, dass das Recht 
oktroyirt worden, beraubt uns nicht unseres natürlichen Bechts 



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iNTBSNATIOViJiB BiBLIOTHBE. 



und wenn wir einen Vortbeil dabei seilen, so wählen wir. Von 
diesem Gesichtspunkt aus fassten wir in Sachsen bei Beratung des 
"BeichBtags'' die Sacbe auf. 

''Ein Theil war aus Kützlichkeitsgründeii gegen, ein anderer för 
das Wählen. Für das Nichtwählen wurde geltend gemacht, dass es 
dem Volk die Kechtlosigkeit klarer zum Bewusstsein bringe, für 
das Wählen, dass bei Enthaltung der Demokratie die Gegner in den 
alleinigen Besitz der Eednerbühne gelangen, allein das Wort haben 
wärden und so leiehter das Bechtsgefolil des Volks yerwliren 
könnten. Diese Erwägung schlug durch — man entschied für das 
Wählen. Meine persönliche Ansicht p:ing dahin, dass die^von uns 
gewählten Vertreter mit einem Protest in den "Reichstag'' ein- 
treten und ihn dann sol'ort wieder verlassen sollten, ohne jedoch 
fiir Mandat niederzulegen. Mit dieser Ansicht blieb ich in der 
Minorität; es wurde beschlossen, dass die Vertreter der Demokratie 
jede ihnen passend dünkendo Gelegenheit beuützen könnten, um im 
"Reichstag" ihren nei;ircTiden und protestirenden Standpunkt prel- 
tend zu machen, dass sio sich aber von den eigentlichen parla- 
mentarischen Verhandiungen lern zu halten hätten, weil dies eine 
Anerkennung des Kordbunds und der Bismarck'schen Politik ein* 
schliesst und das Volk nur Über die Thatsache täuschen kann, deiAS 
der Kampf im ''Reichstag" h](n vm Scheinkampf, blos eineEomödie 
ist. An dieser Richtschnur haben wir in der ersten und zweiten 
Session des "Reichstags" festgehalten. Bei Berathung der Gewerbe- 
ordnung, welche den Hauptgegenstand der gegenwärtigen Session 
bildete^ glaubten einige meiner Parteigenossen im Interesse der 
Arbeiter und sm propagandistischen Zwecken eine Ausnahme 
machen zu müssen. Ich war dagegen. Die Sozialdemokratie darf 
unter keinen Umständen und auf keinem Gebiet mit den Gegnern 
verhandeln. Verhandeln k^uu man nur, wo eine gemeinsame 
(riundlage besteht Mit prinzipiellen Gegnern verhandeln, heisst 
sein Pritusip cpfem. Prinzipien sind untheilbar, sie werden ent- 
weder gana bewahrt oder ganz geopfert. Die gerin^^ste prinzipielle 
Konzession ist die Aufgebung des Prinzips. Wer mit FemAen 
parlammtelt, parlamentirt; wer parlamentirt, paktirt. -^Ä 

"Wir haben ein lehrreiches und warnendes Exempel an der 
. Fortschrittspartei. Zur Zeit des sogenannten preussischen Ver- 
tassungskonflikts Hess sie es nicht an schönen und auch kräftigen 
Beden fehlen. Mit welcher Energie protestirte sie nicht gegen die 
Beorganisation — in Worten! Mit welcher "Gesinnungstüchtigkeit" 
und welchem "Talent" befürwoi-tete sie nicht die Rechte des Volks 
— in Worten! Aber die Regierung kümmerte sich nicht um die 
Bechtsdeduktionen. Sie Hess der Fortschi^ittspartei das Becht, und 
behielt und übte die Gewalt, Und die Fortschrittsparteit Statt 
auf den parlamentarischen Kampf zu verzichten, der unter solchen 
Um^tÜTiden eine schädliche Albernheit geworden war, statt von der 
Redncrbühue abzutreten, die Rer^ierung zum nackten Absolutismus 
zu zwingen und an das Volk zu appeUiren — fuhr sie, in den eigenen 
Phrasen BdMedigung findend, unverdrossen fort, Proteste und. 
Bechtsdeduktionen in die leere Luft zu hauchen und Beschlüsse. 



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KO. 13- IMTBRNATIOKALB BlBUOTKBK. 8 

ZU fassen, von denen Jedermann wiisste, dass sie wirkungslos sein 
wiiideu. So ward das Abgeordueteuliaus aus einer politischen 
Arena in ein Eomödienliaus verwandelt. Das Volk hörte steta dle- 
selben Beden, sah stets dieselbe Besultatlosigkeit und es wandte 
sich ah, erst mit Gleichgültigkeit, dann mit Ekel. Das Jahr l ^^f>6 
wurde mciglich. Die "schönen", "kräftigen'^ Oppositionsreden der 
preussischeu Fortschrittspartei haben der Blut- und Eisenpolitik 
den Boden geschaffen, — sie waren die Grabreden der Fortschritts- 
partet selbst. Im eigentlichsten Sinne des Worts bat die Fort- 
schrittspartei sich todt geredet. 

"Lassalle verurtheilte auf das entschiedenste die Verfahrungs- 
weise der Fortschrittspartei, und sagte die Folgen voraus. Er rieth 
den Ahc^eordneten, vom parlamentarischen Schauplatz zurüduu- 
treten und ihre Mandate niederzulegen. 

"Jedenfalls stellte Lassalle das Verkehrte undVerderbhche der 
parlamentarischen Sobönrednerely des Redens um des Bedens* 
Willen, ins rechte Liebt. « 

'HVenn die Demokratie jetzt denselben Fehler begeht, wie vor 
sechs Jahren die Fortschrittspartei, dann wild die gleiche Ursache 
die gleiche Wirkung hervorbringen. 

"Doch auch j^anz ahpfesehen von dem eigentlich politischen 
StandpuiikL hat eine Betheiliguug unserer Partei an den rariameutö- 
debatten nicht den miiidesten praktischen Nutzen. 

''Dass bei der ^aammensetzung des <<Belcbstag8^' nicht daran 
zu denken ist, prinzipiell wichtige Antrage in unserem Sinne durch- 
zusetzen, das wird mir von vomberein zugestanden werden. 

"Aber'^, meint der Eine oder Andere, "im Keichstag haben wir 
die beste Gelegenheit, die Prinzipien der So/ialdcmokratie zu ent- 
wickeln^. Gelegenheit dazu haben wir, allein sicherlich nicht die 
beste, nicht einmal eine gute. 

"Glauben Sie, dass der "Beichstag" seine Eednerbühne als 
Katheder gebrauchen lässtf Nehmen Sie an, ein Mars wollte den 

Abgeordneten eine Reihe theoretischer YortrSge halten, wie lange, 
wie oft würde mau ihn anhörenf VieUeicbt ehimal aus Neugierde, 
aber dann nicht mehr. 

"An eine gesetzgeberische Einwirkung, wie gesagt, ist nicht zu 
denken; — welchen Zweck soll aber dann um Himmels Willen, die 
Darlegung unserer Prinzipien im "Keichstag" haben? Etwa die Be- 
kehrung der HitgliederT Diese Möglichkeit ins Auge zu fassen, 
wäre mehr als kindlich, wSre kindisch. 

*t Ebenso praktisch würde es sein, unsere Prinzipien den Meeres- 

wogen vorzuplaudern — und nicht so lächerlich. Die Braune und 
Konsorten wissen sehr gut, was wir wollen. Ihnen gegenüber, wie 
überhaupt den im Reichsta«^ fast ausschliesslich vertretenen herr- 
schenden Klassen gegenüber ist der Sozialismus keine i'rage der 
Theorie mehr, sondern einfach eine Machtfrage, die in keinem 
Parlament, die nur auf der Strasse^ auf dem ScMachtfeläe zu lösen 
ist, gleifih jeder anderen Machtfrage. 



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iNTBBHATIONAIiB BiBUOTflEK. NO. 13. 



"Ja, an eine Einwirkung aul" den "ßeichstag"^ selbst denken 
wir auch nicht; was wir wollen, ist, dass die Tribüne des Beichs^ 
tagee dazu benutzt wefde, um £u dem Yolk da diauBseo zu redeiu 

"Allein ist sie denn der geeignete Ort für theoretiaehe Ent- 
wickelungen? Das Ablesen ist IdP' Reichstag*^ verboten, und Sie 
werden mir Alle zugeben, dass der geübteste Redner — voraus- 
gesetzt, was im "Keichstag" nicht der Fall ist, man höre ihn ruhig 
an — nicht im &aa6ß iä, eine wlseenBdiaftliidie Arbelt bo 
endet aus dem Kopfe vorzutragen und den Stenographen zu diWreiv 
als er sie daheim an seinem Pulte schreiben kann. 

"Aber im ^'Beifihatag'' kann er Manches aussprechen, was sonst 
verpönt ist. 

<<Da8 leugne ich. Ich kann im "Eeiciistag'' Angriffe auf die 
jetzige politiflohe Ordnung der Dinge machen, die in käner anderen 
preussiscbenTersammlung straflos bleiben bürden, doch in sozialer 
Beziehung, namentlich auf theoretischem Gebiete, gibt es nichts, 
was nicht anderwärts mit der nämlichen Straflosigkeit gevsagt 
werden könnte. Und soUen wir denn auch den Kampf mit den 
Gesetzen fürchten f Thatsache ist, dass jeden Tag ungehindert in 
Preussen weit Bevolutionäieres gcAOhiieben und gesprochen wird^ 
als sämmtUdie Bdchstagsreden tbeir die soziale Frage eipl^alten 
haben. 

"Doch angenommen, es gelänge, irgend eine sonst unaus- 
sprechbare Walirheit in den "Heichstag^' einzuschmuggeln — was 
wäre damit erreichtf Das <je8etz etiauht unzweifelbafl; den fr^ea 
Abdruck der betreffenden Bede; allein das Gesetz macht auch die 
Presse, wenn sie bloss Auszüge aus einer Rede, oder eine einzelne 
Bedn anstatt der ganzen Debatte bringt, tür iedes Wort der voll- 
ständig oder auszüglich abgedrucl:teit liede verantwortlich. Und 
die ganzen Debatten nach dem allem berechtigten stenographiäch€D 
Bericht mitzutheOen, ist selbst den grOssten Zeitungen aus räum- 
lichen G&unden unmöglich, geschweige denn den klemen sozial- 
demokratischen Blättern. 

"Um die pfHiig iu den "Reichstag" eingeschmug[zt Itca Wahr- 
heiten wieder aus dem "Reichstag" in's Volk herauözubciimuggelii, 
bleibt demnach kein anderes Mittel, als der amtliche stenographische 
Bericht, der aber wegen seines Umfanges und seines Preises den 
Massen nicht zugänglich ist. 

''Was die Arbeiter von Debatten über die soziale Frage erfahren, 
erfahren sie durch die Arbeiterblätter, und was diese in der Form 
von Parlamentsberichten bringen, können sie weit besser, viel sorg- 
fältiger ausgearbeitet, in Form von selbstständigen Leitartikeln und 
Abhandlungen bringen." 

Fassen wir zusammen : 

'^inen direkten BinfluBS auf die Gesetzgebung kann unser 
Beden nicht ausüben. 

"Den "Reichstag" können wir durch Reden nicht bekehren. 

«Duxoh unser Beden können wir unter die Kassen keine Wahr- 
heiten werfeOi die wir anderweitig Qi<dit Jisü hesser yerbmten 
kAnuten. 



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INTS&NATXONALE BlBLlOTHBL 



s 



''Welchen "praktischen" 'äweck hat also das Beden im ''Beichs- 
tag^f Eeineo! Und zwecklos reden ist Thoren YergnQgen. 

^^NichtEinVarthett! Und nun aut der anderen Seite dieJTtfcA- 
theile: das Prinzip geopfert, der ernste politisclie Kampf zur parla- 
mentarischen Spiegelfechterei herabgewürdir^, das Volk zu dem 
Wahne verführt, der Bismarok^sche "Reichstag" sei zur L( )suiig der 

sozialeu i rage berufen. — Und wir sollen aus "praktischen 

OrQnden" parlamentehif Nur der Yerrath oder die Eurzaicht kann 
es uns zumuthen. 

"Was prinzipiell das Richtige, ist stets auoh praktlaoh das 
Beste, Prinzipientreue ist die beste Politik. • 

"Ich unterschn tzo nicht die Bedeutun c: des mündlichen Wortes. 
Allein iu Zeiten der Krise, in Zeiten, wo eine Welt im Absterben, 
eine andere im Entstehen ist, gehören die Vertreter des Voii^s unter 
das Tolk. Ich für meinen Theil halte es nicht blos für ebrenTdler, 

sondern auch für erspriesslicher, in einer Versammlung recht* 

schaffener Arbeiter zu reden, als in jener auf den Wkik eines Recht 
und Menschen verachtenden Staatsmannes zusammenjrelaufenen 
Gesellschaft von Junkern, Apostaten und Nullen, die Norddeutscher 
^'Eeichstag" genannt wird. 

"Aber der "Reichstag" ist das Kind des allgemeinen Stimm- 
rechts. Das allgemeine Stimmrecht ist der Wille des Yolkes, un4 
als Demokraten mflasen wir den ITfUen des Yolkes, folglieh den 

^^Beichstag" achten. 

"In diesem Baisonnement, das ziemlich gewöhnlich ist, begegnet 
uns jene unverständige Ueberschätzung des allgemeinen Stimm- 
rechts, die, hauptsächlich auf Lasalle's Autoriföt sich stützend, zu 
einem förmlichen Götzendienst geworden ist. Kamentlich in Nord!» 
deutschland halten Viele das allgemeine Stimmrecht für die wunder* 
thätige Springwurzel, welche den "Enterbten" die Pforten der 
Staatsgewalt öffnet; sie leben in dem Wahne, sich mitten imPolizei- 
und MiliLurstaat au dem allgemeinen Stimmrecht, wie weiland 
Hünchhausen an seinem Zopf, aus dem Sumpf des sozialen Elends 
heraushehen zu können. Münchhausens Zopf sollte ihr Hinterhaupt 
Bchmücken. 

"Als Bonaparto die KepubUk gemeuchelt hatte, proklamirte er 
•das allgemeine Stimmrecht. 

"Als Graf Bismarck dem preussischen Junkerpartikularismus 
-den Sieg verschafit, als er durch seine 1866er "Erfolge" das liberale 
Bürgerthum in Preussen überwunden und Deutschland zerrissen 
hatte, that er, was sein Vorbild 15 Jahr vorher gethan, — er pro- 
Idamirte das allgemeine Stimmrecht. 

"Bei beiden Gelegenheiten besiegelte die Proklamirung, die 
Oktroyirung des allgemeinen Stimmrechts den Triumph des Des- 
potismus. Das allein müsste den naiven S<äiwarmem des Evan- 
geliums vom allgemeinen Stimmrecht die Augen öflfnen. 

"Auf die Motive Bonapartes einzugehen, ist hier nicht der Ort. 
Was den Grafen Bismarek anbelangt, so lieffon q^ine BeweggründO 
klar zu Tage. 



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6 1NT££NATI0N1L1 BlBUOTHBX. Ko.XS* 

<<Da8 breiklassenwahlsystem, undetnokratisch und antidemo* 
krati^h wie es ist, hat doch zagleioh einen antlfeudaleii Charakter^ 

weil es den Schwerpunkt der parlamentarischen Vertretung in die 
besitzenden Klassen verlegt, die, wenn auch stets bereit, init dem 
Absolutismus Front zu machen gegen die Arbeiter, gegen die 
Demokratie, dennoch, mit Ausnahme der Grossgrundbesizer, Feinde 
des absolutistischen Staats, und bis zu einem gewissen Punkt 
'Oiberal'' sind. Das liberale Abgeordnetenhaus, das Produkt des 
Dreiklassensystems war der Junkerregierung unbequem. Es galt 
ein Gegenp^ewieht zu schaffen, und diM tsuod <iob im aUgemeinen, 
direkten uud gleichen Wahlrecht. 

''Wie Wrnip^f sind in dem heutigen Polizeistaat, in dem ftant 
der geistigen uiui der militärischen Dressur peistig und materiell 
imabhängig? Macht doch die Bauernbevöikerung allein, die hier 
zn Lande dem Wink dei Behörden willenlos gehorcht und gehorchen 
mussy zwei volle Drittel der gesammten Einwohnerzahl aus. 

/'Dies berechnete Graf Bismarck, und er verrechnete sich nicht. 
Durch das allgemehie Stimmrecht fegte er die Opposition der 
besitzenden Klassen aus dem Weg und erlangte eine fögsame 
Heichstagsmajorität, wie sie das Dreiklassenwablsystem ihm 

nimmermehr gef^ehen hätte. 

"Also nicht als Hebel der Demokratie, sondern als Waffe der 
Beaktion wurde das allgemeine Stimmrecht oktroyirt. 

"Es steht unter der vollständigsten Coutrole der Regierung 
— hier noch viel mehr als in Frankreich, wo das Volk politisch 
mehr geschult ist, wo es drei ßevolutiouen hinter sich hat und die 
vierte vor sich. Hau kann mit Sicherheit behaupten, dass in 
FreuBsen kein Abgeordneter in den '^Beic^stag'' gewählt werden 
kann, dessen Kandidatur die Regierung emstlialt bekämpft Ich 
erinnere an die letzte Wahl in Hannover, wie man die Aufhife 
der Opposition konfiszirte, ihr tausenderlei Hindemisse in den Weg 
legte. Und hier handelte es sich nur um einen imbequemeu, nicht 
um einen gefährlichen Kandidaten. Hätte die Begierung von ihrer 
ganzen Macht Gebrauch machen wollen — ich meine gesetzlichen 
Gebrauch, denn der "Intelligente" Absolutismus kleidet sich meist 
in den Mantel des Gesetzes — , sie hätte die Wahl Ewald's mit 
Leichtigkeit hmtertrieben. Nehmen wir au, es tritt ein Kandidat 
auf, den die Regierung durchaus nicht in dem "Reichstag" haben 
will: sie konfiszirt die Zeitungen, die seine Wähl empfehlen — 
gesetzlich ; sie konfiszirt die Wahlaufrufe — gesetzlich ; sie verbietet 
die Wählerversammlun^::en — gesetzlich; oder sie erlaubt die 
Wählerversammlungeu und löst sie dann auf — gesetzlich; sie ver- 
haftet die Fürsprecher des Kandidaten — gesetzlich ; sie verhaltet 
den Kandidaten selbst gesetzlich. Verhaftete man doch neuüch 
sogar einen "Beicbstagsabgeordneten^, und würde doch derselbe 
noch heute im Gefängniss sitzen, wenn die Nationalliberalen nicht 
durch ein Larheln Bismarcks von der Harmlosigkeit des '^Mär- 
^ers** überzeugt worden wären. 



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No. 13. 



Iirr£ENATIOKAL£ BIBLIOTHEK.' 



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«'Aber angenommra, die Regierung nuiebe toh fhref Madit ans 
Kraftgetühl oder Bereehnung keinen Gebrauch, und es gelinge, wie 

das der Traum einiger sozialistischen Phantaaiepolitiker ist, eine 
sozialdemokratische Majorität in den Reichstag zu wählen — was 
sollte (lio Majorität thun? Hic Bhodus hie salta. Jetzt ist der 
Muuieut, die Gesellschaft umzugestalten und dou Staat. Die 
Iff^orität faast dnen weltgeschichtlichen BeschluBB» die neue Zeit 
wird geboren <— ach nein, eine Kompagnie Soldaten jagt die sozial- 
demokratische Majorität zum Tempel hinaus, und lassen din Herren 
sich das nicht ruhig gefallen, so werden sie von ein paar Schutz- 
leuten in die Stadtvogtei abgeführt und haben dort Zeit, über ihr 
donquixotisches Treiben nachzudenken. 

'Evolutionen werden nicht mit hoher obrigkeitIi<Aer Erlaub^ 
nifis gemacht; die sozialistische Idee kann nicht innerhalb des 
heutigen Staates verwirklicht werden; sie mnss ihn stüizen, um 
ins Leben treten zu können. 

"Kein Friede mit dem lieutigen Staat! 

''Und weg mit dem Kultus des allgemeinen und direkten Wahl- 
rechts! 

"Die Gewalt erkennen wir wohl an, aber uur als eine Thatsache, 
nicht als Becht — als eine Thatsaohe, die wir so lange ertragen, bis 
die Gewalt nicht mehr die Gewalt hai, d. h. bis ihr eine gjrössere Ge- 
walt entgegengesetzt werden knnn. "Wir 1e«xen die H;inde nicht 
ruhig in den Schooss, sondern benutzen alle Waffen, welche die . 
herrschende Gewalt uns gelassen hat, zur liekampfung der herr- 
sehenden Gewalt. Und so '^tragen auch wir den Verhfiltnlssen 
Bechnnng^ — in der einzigen Weise, die sich mit dem Prinzip und 
mit der Klugheit verträgt. 

"Von dem Moment an, wo jeder Zweifel in Bezug auf die 
politische Stellung der Sozialdemokratie beseitigt ist, wo die Sozial- 
demokratie, ohne den Klassenkampf gegen die Bourgeoisie zu ver- 
nachlässigen, auch, den politischeu Vorkampt führt, haben wir die 
Massen der Arbeiter hinter uns, können wir sagen; ''Berlin gehört 
uns." Und dann gehört uns Deutschland; denn hier in Berlin sitzt 
der Hauptfeind, hier wird dit^ Eiitspheidungsschlacht geschlagen. 
Von Berlin aus wurde Deutschland geknechtet; in Berlin musa 
peutschland befreit werden.** 

So weit Liebhtiecht, Wir stinunen seiueu Ausführungen voll- 
kommen bei. Besonders betonen wir, dass wir mit Liebknecht 

ubereinstimmen, wenn er in seinen einleitenden Worten das betreib 
des Norddeutschen Reichstags Gesagte auf den Parlamentarismus 
überhaupt angewendet wissen will. 

In den Vereinigten Staaten von Nordamerika wird mehr ge- 
wählt, als in irgend einem anderen Laude; und gerade hier ist der 
Stimmkasten zum wüstesten Auswuchs der Yolksbeschwindelung 
geworden. 

Wenn die Despoten Europa's nicht ganz vernagelte, eigen- 
sinnige Tröpfe wären, nud wenn die Parlamente der "alten Welt" 
nicht gleichfalls bis zur Blindheit im Merkommensdusel belaogen 



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iNT£&^ATIONAL£ BlBLlOTHiüK. 



1^0.13 



aein würden^ so hätten sie sich längst aammt und sontes die 

Kafisen-Stimmkästnerei nach aineiikaniSGheni Schnitt sugelegt 

Denn ein besseres System, die Volksmasf^en ^ . u Tanzbären an der 
Nase herumzuziehen und denselben obendrem gleichzeitig alleVerant- 
wortlichkeit für jede Sohaudthat und jeden Wahnwitz der Regierer 
höbnend aa&ubürden, hätte der denkbar boshafteste Dämon auch 
foUsht erfinden können. 

Wer da glaubt, dass wir übertreiben, den maelien wir auf fol- 
gende Punkte aufmerksam. 

1. Je öfter gewählt wird und je zahlreicher die zw wählenden 
Funktionäre sind, desto wenifxnr sind die Wähler im Stande, die zu 
Wählenden auch nur dem ]sameu nach zu kennen. 

2. Je entschiedener das allgemeine Stimmrecht bei den Be- ' 
Setzungen aller erdenklichen Aemter etc. in Frage kommt, ein desto 
«ahlreicheres nnd geriebeneres Demagogentbnm TOn Aantei^ägem 
behmscht mehr und mehr das ganze öffentliche Leben« 

3. Bei solcher Sachlage kann es nicht ausbleiben, dass nicht 
nur in den Reihen der Gewählten, sondern auch in denen der 
Wähler eine uiuiusrottbarc Korruption und daoiit eine ailgemeiiie 
Charakterlosigkeit des Volkes eiureiöSt. 

Diese drei Punkte sullten allein schon genügen, alle edel den- 
kenden Menschen, insbesondere aber die Widersacher der heutigen 
Gesellschaft — in allererster Linie jedoch die konsequenten Revolu- 
tionäre, die Anarchisten, von der Theilnahme an der Wähletei fern- 
zuhalten. 

Allein für diese, wie überhaupt für alle organisirten Arbeiter 
kommen noch ganz andere Bedenken in Betracht. 

Bei der Hasseuhaitigkeit der Kandidaten und der damit ver- 
knüpften herkömmlichen Nothwendigkeit, dieselben durch lauter 
redefiOiigo Menschen, die obendrein eme Art ''BerOhmtheit" auf- 
zuweisen haben sollen, zu besetzen, kommen Arbeiterparteien ' 
selten in die Lage, aus ihrer Mitte heraus so viele dermassen qualifi- 
zirte Personen herauszugi'eifen, als nothwendig ist, um die üblichen 
^Tickets" auch nur eiuigermassen annäkeiüd auäzuiüiltiü. Es kann 
also selbstverständlich nicht ausbleiben, dass anderweite Personen 
4lls Kandidaten aufgestellt werden, was schon von vornherein eine 
prinzipgemässo Hepräsentanz der betrefiFenden Wählerschaft mehr 
oder weniger ausschliesst. Und da bei solcher Sachlage überhaupt 
in der Regel die Aomterjäger gar nicht erst gesucht zu werden 
l^rauchen, weil sich solche in grosser Menge zu dem ausgesprochenen 
Zwecke, öffentliche Anstellungen zu erobern, in die Arbeiter- 
parteien einschleichen und dieselben durch allen erdenklichen 
Schwindel über kurz oder lang total korrumpiren, so leidet das 
Proletariat nicht nur unter den eigentlichen Wahlkonsequenzen 
(Ausverkauf, Verrath etc.), sondern überhaupt, indem jene Krea- 
iuren alle erdenklichen Kniffe in Anwendung bringen, um das ganze 
Parteileben in den engen Zirkel der Wahlwühlerei zu bannen und 
jedes weitergehende Streben auf Tritt und Schritt zu beeinträch- 
tigen, wenn nicht gar gänzlich zu hintertreiben. 



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Ufo. 13 lNT£BNAXXOXiJ.E BIBLIOTHEK. 9 

Wemi man das Geheimniaa^ weshalb dieArbeiterbewognng in 
Amerika so sehr im Argen liegt, zu ergründen sucht, so stösst mau 
im Wesentlichen auf die vorbemerkten Umstände. Weil die an der 
Spitze von Arbeitervereini gimgen stehenden sogeuanuten "Führer*' 
vermöge der Wahlpolitik leicht in der Lage sind, gelegentlich jeder 
Wahl beträchtliche Bestechungsgelder einzuheimsen^ scUageu 
«diese JämmerUehen Burschen nicht nur Jahr aus, Jahr em die Wahl- 
pauke, sondern sorgen auch dafür, dass etwaige anderweite Agita- 
tionen alsbald unterdrückt werden, so dass sozusagen eine prinzi- 
pielle EntWickelung dieser ArbeiterveTbäiide gar nicht stattündet 
und ein wahrhatt chinesischer Konservatismus sich ausbreitet. 

Denkt man vollends daran, was da in Amerika Alles gewählt 
wird, so steht einem ohnehin schon der Verstand still, falls man 
«ich daneben vorstellen muss, dass sonst aufgeklärte Arbeiter sich 
dazu hergeben sollen, zur Einsetzung der betreffenden Personagen 
Ihre Zustimmung zu geben. 

Biohter, Staatsanwälte, Henker, Polizisten etc. — solche Kerle, 
die unter allen Umständen nur den Zweck haben, die Menschheit 
zu schuhrief^eln, soll ein revolutionärer Arbeiter sich auf's Genick 
setzen? Er könnte sich ebenso gut selber ohrfeigen. 

Freilich redet mau uns vor, dass eben die besten Menschen zu 
Vk älilen seien. Aber ach ! etwas Solches existirt ja gar nicht. Wirk- 
Uoh gute Menschen verzichten auf solche "Ehren'' und halb und 
halb verdorbene Naturen werden im Amt vollends zu abgefeimten 
;Schnrken. Ich sollte denken, es gibt in dieser Beziehung Beispiele 
.genug, welche beweisen, dass selbst in den Parlamenten Europas 
wo die Versuchung nicht in solchem Massstal)e an die Erwählten 
herantritt, wie in den Verwaltungsämteni, sugai- von Haubc aas 
«edel veranlagte Hensohen mehr und mehr verlumpt sind. Was soll 
man da erst in Amerika erwarten — oder vielmehr, was hat man 
«chon Alles in Amerika in diesen Beziehungen erlebt! 

Sind nicht im Laufe der letzten zehn Jahre in Amerika seitens 
der Arbeiterparteien schon mindestens 500 Arbeiter-Kandidaten 
für die verschiedenartigsten Verwaltungs- und Gesetzgebungs- 
posten erwählt worden? Wie viele waren aber darunter, welche 

g'cht eine ganz infame Bolle spielten Y Sollen solche üble Br- 
bmngen mmier und Immer wiederholt werdenf 

Hier stocken unsere Widersacher, die Stimmkästner, mit der 

Antwort. Aber sie lassen doch nicht locker und behaupten, man 
kö!ine doch wenigstens • in den Legislaturen manches schlechte 
Gesetz, das sonst zu Stande kommen würde, hintertreiben. Wir 
bestreiten das auch. Denn selbst in Europa ist man in dieser Be- 
ziehung über blosse Einbildungen und Behauptungen nicht hlnaus- 
irekommen. Ein stichhaltiger Beweis ist für die Bichtigkeit dieser 
Behauptung nicht zu erbringen, wie schon ein Blick auf die numme- 
rische Ohnmacht der sogenannten Arbeitervertreter in allen Gesetz- 
gebungskörperu, wo sich solche bisher versucbteo, hioläuglich 
darthut. 



10 



IKTEBKATIONALE BlBUOTHSK. 



No. 13, 



Ebenso steht es mit der stimmkaaten-mässigen und repr&sen- 
tativen ProtestiTerei der Arbeiter, von welcher netterdings so vUA 

gefackelt wird. Wer jemals in einer legislativen Quatschbude aus- 
und eingegangen ist, wird sich davon Jiinliinglich überzeugt haben, 
dass solche Protestereien in den Wind hmein gesprochen sind. 

Bleibt noch die angebliche Agitation, welche ih Wahlzeiten an- 
geblich getrieben werden kann. Damit ist es erst rocht Essig. 

Handelt es sich denn bei den Wahlkloplfechtereien etwa um 
grosse gesellschal Lüche i'rageu, oder wird nicht vielmehr über 
allen erdenldlchen untergeordneten lOst gequatscht, wie er gerade 
die Schädel der Ffiethlbürger durchstinktf 

Ja, schon des unvermeidlichen Stimmenfanges wegen werden 
alle Kandidaten und deren Mitschwätzer — selbst wenn sie an imd 
für sich keine Denia<:<>i,^en wären — veranlasst, sich durch mög- 
lichst flaches Gesciiwatz in die Denkweise der Spiesser hineinzu« 
arbeiten und durch allerlei Kleinigkeitskrämereien deren Beifall zu 
erwerben. Von solchem satt- und kraftlosen Oegaokel bis zu allen 
erdenklichen Kompromisslereien mit anderen Parteien ist nur ein 
kleiner Schritt — besonders in Amerika, wo die Versuchung in die- 
ser Beziehung nahezu immer unwiderstehlich ist 

Statt eine revohitionäre Agitation in Wahlzeiten und vor 
ötimuinuUeu betreiben zu können, verwickelt man sich alao nur 
immer entschiedener in Prinzipienwidrigkeiten; und ehe es sich 
eine Arbeiterpartei, welche sich auf dieses Gebiet begibt, yei*sieht, 
verwandelt sie sich unter solchen schlechten Einflüssen in eine 
breiige Masse, welche l»akl dieser, bald jener politische Lumpazius 
in beliebige Formen knetet. Die besseren Elemente scheiden sich 
schliesslich aus und verzweiiein, angeekelt von solchen Verhält- 
nissen, oft ganz und gar an der Menschheit; der Best ist und bleibt 
gedankenloses Stimmvieh. Wir danken für solche Agitatilons- 
Besultate. 

Bisher hat es in dm Vereinigten Staaten wesentlich nur solche 
Bestrebungen des Prok^tariats gegeben, welche in der Hauptsache 
küUüervativ-gewerkschaftlicber Natur waren oder daneben allen- 
falls noch auf BUdungsmderel und Produktiygenossenscbaften 
durch Sparen hlnausliefeh. 

Jetzt auf einmal Bchcinen die amerikanischen Arbeiter zi 
merken, dass es damit nocb lange nicht abgethan sein kann, zumal 
ihnen die öffentliche und private Gewalt der Kai)italiatcn auf Tritt 
und Schritt begegnet und ihre Anstrengungen im Lohnkampfe etc. 
vereitelt. 

Man hätte nun denken sollen, dass die üblen Erfahrungen, 
welche in diesen Bezi^ungen gemacht wurden, von revolutionärer 
Wirkung sein müssten, allein die Thatsachen zeigen die Dinge üi 

einem anderen Lichte. 

Der "Volksstaat", welcher mm schon 100 Jahre lang existirt 
und nicht eine einzige Schattenseite der bürgerlichen Gesellschaft 
hintanzuhalten vermochte, ja, der sogar die Klassenherrschaft der 



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No. 18 iNTEBKATipNALE BIBLIOTHEK. 11 

Eeicben über die Armen gerade am allerschärfsten entwickelte, soll 
nun plötelioh das geeiguete Instroinent zur ErlösuDg der Unter- 
drückten geworden sein. Man stimmt hartnäckiger als Je. Was sodi 
wohl dabei herauskommet 

Kehmen wir einmal an, die Wahl-Enthusiasten hätten !n den 
nächsten Jahren eine beträchtUche Anzahl von «siegreichen Ahstim* 
mungen zu verzeichnen, was würde das bedeuten i 

Die sogenannten Führer der organisirten Arbeiter kämen ein- 
fach nach und nach zu fetten Aemtern und Würden; und die 
Qualität dieser Leute bürgt dafür, dass damit lediglich für sie etwas 
gewonnen wäre. 

Wir hatten dt genug Gelegenheit^ darauf hinzuweisen, daas 

die meisten Arbeiterführer Amerika's entweder Eonfusionsräthe 
oder geradezu Schurken aind. Was soll man wohl von solchen 

Burschen erwarten? 

Da in Amerika wohl an 100, (HK) Wablposten existiren, so ist 
die Möglichkeit, dass die Arbeiter- Vcitreter in irgend einem lie- 
prSsentativkörper die Mehrheit erlangen, yon Yornherein ausge- 
schlossen; und die Minoritäten haben zu ihrer Entschuldigung 
natürlich die bequeme Ausrede, dass sie nichts machen l^önnen. 
Exekutiv-Beamte vollends vermögen schon gleich gar nichts zu 
reformiren, weil sie ja unter der Legislatur stehen. Von einem 
positiven Besultate kann also für das Proletariat bei der ganzen 
Geschichte auf keinen Fall die Bede sein. 

Auf der anderen Seite dürfte es leicht vorkommen, dass sicib 

im einen oder im anderen Staate, in dieser oder jener Kommune, 
die beiden alten Parteien ziemlirh r^leich stark gegenüber stehen, 
und dass die Arbeitervertreter in Folge dessen die sogenannte 
Balanz in Händen haben. Wo dies der Fall ist, da steht ^\ev 
schmutzigsten Korruption nichts mehr im -Wege. Nach eLiichem 
Spreitzen und Demagogisiren werden sich die edlen Seelen mit 
Haut und Haaren schliesslich an die Meistbietenden yerkaufen. 

Oehen wir aber noch weiter! Kehmen wir an, es kSme zut 

Arbeiter-Majoritäten in einzelnen Repräsentativ- Körpern und es sei 
jr df r Erw-ihltp des Proletariats ein strikter Karakter und ein ver- 

Ij^tändiger Mensch. 

Wir brauchen nicht gleichzeitig zu denken, dass die BetreÖen- 
den bis zum Begreifen des modernen Sozialismus gelaugt seien, und 
dass sie die Absicht hätten, der Etablirung desselben gesetz^ 
geberisch energisch Vorschub zu leisten. Bs genügt, wenn wir uns 
vorstellen, dass die zu politischer Macht gelangten Arbeitervertreter 
dieselbe zur Einführung von solchen Reformen benützen, wie sie 
innerhalb ^der jetzigen Gesellschaft immerhin denkbar wären. 
Glaubt irgend Jemand, der seine fünf Sinne beisammen hat, dass 
KapitaUstoi mit stoüM^em Fatalismus diese Dinge über sich er- 
gehen lassen würden, und dass dieselbe yor Jedem nenen Gesetse, 
wie sehr es auch ihren Interessen zuwider sein mag, respektvoll 
und gehorsam in den Staub sich beugen werden^ wie das bisher das 



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No. 13 



Volk za thttn gewolml war, wenu ihm von den kapitalistischen 
Gesetzgebern ir^^od welche reaktionäre Gesetsa um die Ohren 

«geschlagen wurden? 

NicTiinnd, der ornst ?^enommen sein will, besitzt die Naivität 
«ines solchen Aber^^laubens. Jeder hält es für selbstverständlich, 
dasa die Kapitalisteu aut alle Arbeiterg es etzo pfeifen werden. 

Soll damit einfach die Trommel ein Loch haben t Ist es denk- 
bar, dass die Arbeiter ihr a 8chaAgednld so weit treiben, allen ihren 
Stimmanstrengungen ungeachtet, sich dermassen verhöhnen zu 
Inssrn? Die Proletarier werden ob der kapitalistisch pti Unver- 
schämtheiten fuchsteufelswild werden. Erst wird es verdammt 
laute Debatten und hernach allgemeine Keilereien setzen. Mit 
^anderen Worten: Selbst die eabmste Gesetzgeberei, wenn gegen die 
kapitalistische Klasse gerichtet, muss mit Katumothwendigkeit 
zur sozialen Revolution führen. Das, was man durch langwierige 
Zickzackbestrebungen vermeiden wollte, wird also trotz alledem 
mit unabweisbarer Wucht in Erscheinuuft- treten; und Alles, was 
bei der langwierigen Stimmkästnerei herauskam, w ar nur eine Ver- 
schleppung der Bachlage und mithin eine Verlängerung der Leiden 
«des Volkes. 

Der von uns zuletzt angenommene Fall ist aber noch der denk- 
bar günsti'L^stc. Leider wird derselbe indessen kaum zu Tage 
treten; deua eme Klasse, welche nicht blos alle materiellen Güter 
besitzt, sondern auch sämmtliche Bildungsaustalten, resp. Ver- 
dummungsinstitate (Kirche, Schnle, Presse etc.) kontrollirt, und 
Von welcher obendrein die Hasse des Volkes ökonomisch' voll- 
ständig abhängig ist, hat es geradezu in der Hand, den Stimm- 
kasten in letzter Instanz zu 'Tegulireu''. 

Alles, was bei der ganzen Wählerei herauskommen kann, ist da 
und dort ein Scheinerfolg. Man vertröstet sich daun immer auf 
«'das nächste HaP, bis- man die Geschichte endlich satt bekommt 
Und unter die Pessimisten geht. Das ist dann der «'moralisdie 
Effekt'' des Stimm-Unfugs. 

Man mag es drehen und wenden wie man will, das Wäliien 
bringt nur Nachtheilo. Wie daher die Dinge in Amerika sich immer 
entwickeln mögen, auf uns haben die Stimmutopisten niemals zu 
rechnen. Den Volksstaat verlachen wii, au's Wählen glauben wup 
nicht und unser Prinzip ist uns heilig. •> 

In Amerika ist das allgemeine Stimmrecht kein Spielzeug, 
welches, wie in Europa, wo eine wohlgeordnete Bureaukratie anti- 
parlamentarisch regiert, den grossen Kindern bebufs unfruchtbarer 
Schwätzerei überlassen wurde, sondern seit hundert Jahren die 
feste Basis, auf welcher — nicht die vielgepriesene Volksherrschaft, 
sondern die Macht der Bourgeoisie ruht. 

Hier hat sieh im Laute der Zeit eine HaschSnerfe um den 
Stimmkasten gruppirt, welche sicher in den Händen der besitzen* 
den Klassen sich befindet, und die nicht gebrochen werden kann 
durch Errichtung einer ähnlichen, aber nur mit den winzigen 
Kitteln der Armen ausgestatteten Mechanik. 



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Ho. la 



IS 



Presse, TCanzrl, Katheder, Wirthf^bfin?^, Lodgingbaus nnd 
Lumpeüproietariats-Herbor^e — sie alle stehen unter den Hebeln 
und Kurbeln dieser Maschinerie. Sämmtliche Beamte und Solche^ 
die ea werden wollen, nebst ganzen Sch wärmen poUtxseherLoafers 
beherrschen die Wahlagitatton vollBtSiidlg und werdeD zum 
schwunghaften Betriebe derselben von Denen, zu deren Gunsten 
sie ihre Aemter missbrauchen oder Wühlerei treiben — von den 
kapitalistischen Korporationen und sonstigen Galgenvögeln — 
reichlich mit Geld dazu versehen. 

Der Einfluss, den diese panze Gimpelfang-Institution aut das 
Volk hinsichtlich der Stimmeiei ausübt, ist so ungeheuer, das» 
es geradezu läoherUoh erscheint, wenn man hört, dass derselbe) 
mittelst proletarischer Bednerei gebrochen werden sollte. 

Selbst wenn man daher nicht einmal auf unserem Standpunkt 

der vcllligen !?Tegation aller Majoritäts-Michelei und Abstimmungs- 
Kastration steht und wenn man glaubt, dass die Menschheit zu 
ihrer Hebung Eicht eines System-, sondern nur eines Personal« 
Wechsels bedürfe, muss mau unter solchen Umstanden doch wenig« 
stens begreifen, dass weder die eingebildeten praktischen, noch 
auch nur moralische Erfolge für die Arbeiter auf dem Wege der 
Wahlhuberei zu erzielen sind. 

Das ist aber noch immer nicht Alles, was ganz besonders in 
Amerika die Theilnahme der nach vorwärts strebenden oi cranisirten 
Prolet|irier am Abstimmungs-Unfug verbietet. Hier kommt noch 
das demoraiisirende Element in Betracht, welches in dem Mit« 
machen der Wählzanberei für die Arbeiter gegeben ist. 

Erstens wird in Amerika nicht bloss sehr oft, sondern auch 
schubweise gestimmt Man wirft sogenannte Tickets — ganze 

Litaneien von Kandidaten-Namen in die Uma Kleinere Parteien, 
die ausserhalb der grossen Drahtzieherei wirken, werden da^ ob sie 
nrsprüngUch wollen oder nicht, zun> Ausverkauf verlockt, welcher 
am geschicktesten auf dem Wege gemischter Tickets (Namen der 
eigenen und solche einer anderen Partei enthaltend) bewerkstelligt 
wird. Die verleiteten Arbeiter pfiegen solche Tickets unverändert 
abzugeben — im Glauben, dass die Partei, mit welcher Kompro- 
»^se abgeschlossen wurden, auch so handeln werde — . die Aus- 
HUiifer jedoch streichen die Namen der Arbeiter-Kandidaten aus 
und setzen ihre Leute auf die Listen. 

Den Machern der amerikanischen Arbeiterbewegung ist das 
wohl bekannt^ aber gerade desshalb Stessen sie erst recht in die 
Stimmtrompete. Der Ausrerkani iillt ja in ihre Taschen. 

Kommt aber wirklich ein Arbeiterkandidat durch, so findet 

sich bald dessen Preis, wie bei allen früheren Gelegenheiten, wo 
die Arbeiter ^'Ihre Leute'' (T) in Amerika zum Siege brachten, be- 
wiesen wurde. 

Endlich ist es, wie gesagt, ein Unsinn, wenn Arbeiter Richter, 
Staatsanwälte, Heoker und dergleichen Mensüheaschinder über- 
upt wählen wollen» 



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IKTBRNATIOITALB BIBLIOTHEK. 



No.13. 



Und gerade darauf, sagea die Betreiber der neuesteii Walü- 
humbugerei, mösse in erster Linie gesehen werden. Man weiss 
nicht, soll man die DummJieit Derer, denen Solches zugemuthet 
wird, oder die Frechheit, w^che solche Vorschläge geboren haty> 
mehr anstaunen. 

Richter, welche kleine Spitzbuben im Sinne der Arbeiter- 
bewegung verknurreu; Staatsanwälte, die Jabr aus, Jahr ein den 
Pftuperfsmos durch Anklagen wider arme Teufel <<arbeiteifteiind- 
lich'^ zu kuriren suchen; Henker, welche ihre Stricke nacb den 
Vorschriften der Trades Unions den Opfern brutaler unsinniger 
Gesetze um die Hälse schlingen — Mephisto schlägt Furzelbäume 
vor VerguügeD. 

Wäre das Alles aber nicht so traurig, wie wir sagen, so wäre 
dennoch an eine Verbesserung der Lage der arbeitenden Massen 
durch den Stimmkasten nie und nimmermehr zu denken. 

Schon Tiberius und Gsjus Gracchus mussten Tor 'mehr als 
2000 Jahren erfahren, was es heisst, an die Wunder von Volks- 

abstimmuTipfen zu glauben. Als der römische Senat sah*, dass die 
Wahlmaschmerie nicht mehr zu seinen Gunsten arbeite, setzte er 
den Stimmzetteln geschwungene Stuhlbeine und gezogene Schwer- 
ter gegenüber und komgirte so die Resultate der Urne. Die 
amerikanischcfn Kapitalisten und deren Tross haben aber bisher 
nicht gezeigt, dasa sie weniger rechthaberisch und gewaltthätig 
seien, als die Reichen im alten Rom. Andererseits lä«st sich in 
Amerika bekanntlich das Volk alle Augenblicke ganz heillgs ver- 
knüppeln, ohne dass darob ein rebellischerer Geist entstünde, als 
er hü den verkommenen römischen Proletariern angetroffen wurde, 
V. ie überhaupt das Amerika von heute mit dem Born der letzten 
Epoche der Bepubük eine entsetasliche Aehnlichkeit hat. 

Die heiligste Pflicht eines jeden Bevolutionära ist es mithin, 
das Volk von den Stimmkästen fem zu halten und ihm die Vor- 
bereitung zum gnivaltsanmi Umsturz der jetzigen Schand-, Mord* 

und Eaub-Wirthschaft anzurathen. 

Hier noch ein anderes Bild ! Bereits vor vier Jahren karakteri- 
Blrten wir den deulöcheu Pailameiitarismus, wie folgt: 

Ton 42 Millionen Deutschen besitzen ungefähr 8 Millionen 
ac^enannte ''allgemeine Stimmrecht": hiervon machen etwa 
MiUionen durchschnittlich keinen Gebrauch. Zwei Millionen Stim- 
men (rund gerechnet) entlallen auf die sitzenbleibenden Kandi- 
datenj mithin gelangen in der Kegel die Bevollmächtigten von 
zirka drei Millionen Einwohnern Deutschlands in den Eeichstagj 
die übrigen 39 Millionen sind von vornherein ohne Vertretung. 

Der Reichstag ist beschlussialug, wenn die Hälfte seiner Mit- 
glieder, also die Beprasentanz von anderthalb Millionen Deutschen, 
anwesend is^ und selten sind mehr ''Volksvertreter^ beisammen. 

Bei dei Abstimmung über ein Gesetz entscheidet wiederum 
die einfache Majorität, also — gut gerechnet — die Vertreterscbaft 
von 800,000 Stimmen. 



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NO.ld iHTEStfü^TIONAU BiBUOTHlK. 15 

41,200,000 Einwohner sind durcbscbnittUch bei dieser kon- 
stitntioDelleD Gesetzniacherei absolut eiDflusalofi, und nur 800,000 
haben — und zwar, wobl gemerkt! indirekt — ein wenig darein- 

geredet. 

Dareingeredet? Welche Illusion! "Wer diese "glücklichen" 
ÖUOjUUO, d. h. die Wähler der reaklicmärsten AbrreordDeten nicht 
blos zählen, äondeni auch wiegen und messen kuuute, namentlich 
in der Sekädclgegend, der würde verdammt überraschenda Beweise 
für die Bicbtigkeit der Darwin'scben Theorie betreffend Qerkunfb 
des IjfeDsohen geliefert bekommen. 

Diese elnfaehen und doch so deutlichen Zahlen sollten eigent- 
lich schon genügen, den Parlamentarismus in Deutschland ^und 
anderwärts steht es ja geradeso) zu illustriren ; und doch zeigen 
sie lediglich die innere Leere desselben; das Fratzenhafte seiner 
äusseren Ersobeinung kann man nur durch persönliche Anschau- 
ung anekeln lernen. 

Wenn man den Berichten der Blätter nachgehen könnte, 
müsste mau zu der Meinung verleitet werden : es herrsche da ein 
gewisser feierlicher, würdiger Ernst in den ''heiligen Hallen" der 
Gesetzgeber; es würden da die verschiedenen Meinungen mit 
Enthusiasmus vorgetragen und sorglßdtig erwogen, bis endlich die 
vermeintlich gediegenste und durchschlagendste Ansicht Gesetzes- 
kraft erhält. 

Wnr ein einzipres Mal den" deutschen Reichstag an der Arbeit 
gesehen hat, vor dessen Augen sind längst solche Phantasieen wie 
Schaum zerflossen. 

Da liest Einer behaglich seine Morgenzeitung; dort plaudern 
und lachen zwei oder drei Andere fiber lustige Privaterlebnisse; 
hier "flxt^ ein Zeitungsmensch einige Artikel; da laufen Andere 

gähnend umher; manchmal schläft auch Dieser oder Jener auf 
einem der im Hintergrunde stehenden Sophas seinen vornächt- 
licheii lüiusch aus; die Meisten aber treiben sich ausserhalb des 
. Sitzungssaales umher : m der Bibliothek, im Lese- oder Schreib- 
zimmer, im Bauchsalon, ganz besonders aber in der Bestaurationi 
deren Pächter gewiss nicht lügen würde, wenn er den Herren 
Gesetzgebern das Zeugniss aufstellte, dass ihre Bäuche zehnmal 
^1 i' i leistuugstähig seien, als ihre Gehirne, denn es wird da un- 
g^iibhch viel zusammengeschlemmt. 

Inzwischen reden die Sprecher zu den leereu Parlaments- 
sesseln, zu den GaUerie-Keugierigen, denen es wohlweislich nicht 
gestattet ist, sie auszupfeifen, und zu den Journalisten, welche ihre 
Quaseleien — nachdem dieselben in einen druckfähigeu Stil umge- 
wandelt worden der Welt als staatsmännische Weisheit zu 
serviren haben. 

Die Abstimmung naht heran ; der Präsident lässt nach allen 
^^chtungen hin den Haustelegraphen spielen; am allerlautesten 
ichellt es in der Kneipe; die ^^Yolksvertreter" taumeln allmälig 
herein ; die Macher stellen sich an die Spitze ihrer betr. Parteien; 
die Anderen richten sich nach diesen. 



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/V 



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ImVSAVmiÄLR BlBliKdTfiEK. 



N0.1S 



Jetzt ist der feierliche Moment da — - Eins — Zwei — Drei — 
die AbetimmuDg ist gemacht — das Gesetz ist fertig. — 

' ^fi0B klingt T60lit beiter^ ib ist aber i^e Untigeniste Sache, 
^asB djljB Völker gew^Sbidieh Jahrzehnte dazu brauchen, um solcher- 
massen zu Stande gekommene Geaetoe wieder abzuschaffen. Das 

ist der Parlamentarismus. — 

Was da vom^hun und La*fesen der Parlamentarier in Deutsch- 
land gesagt wurde, i)asst genau auf alle übrigen Parlamen- 
tarier. 'Wir beobachteten einmal die Legislatoren von Washington 
Utk der <^beit''. Sie trieBen es ebenso itie ihre Berliner JSbeü^ 
büder. 

Was aber sollen wir thuuT So ruft man uns hämisch zu. 
Sollen wir vielleicht die Hände in den Schoos legen und mit auf- 
gesperrtem Munde aui' d§n Ausbruch der sozialen .Bevolutr^ 
lauemt 

Wir haben die ICeoschen nnaul'hörlich aufzureizen und sie, 
während sie imtei' solchem Ansporn die DeBtehenden Yeiklikltnlue 

immer entschiedener ' hassen lernen, dahki zu ^lehren, was zu 
thun ist. Nicht Wahlmichel, sondern bewusstef,. di^Üiende Soldaten 
der sozialen Revolution haben wir zu erzi(ihen. 

Das ist ein mühsames, aufreibendes Beginnen, sogar mit allen 
erdenklichen Gefahren verknüptt; allein die Lösung der soziale» 
f^rage ist eben überhaupt kein KinderspieL Darum bleibt es M 
Tuserer Parole: 

Nieder mit dem Stimmkasten I X iL - / 



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Btamped b0low. 

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